Die letzte Nacht war ziemlich kalt, die Temperaturen sanken unter 0°C. Unsere Decken haben uns zwar gut warm gehalten, aber alles andere im Bus fühlt sich ziemlich kalt an. Unser Frühstück fällt, mit Berner Würstchen, Eiern und Baked Beans, heute mal etwas deftiger aus. Nach gerade mal zwei Stunden sind wir mit allem durch und beginnen unsere Tour. Die letzten 150 km durch Finnland beginnen. Die ersten Rentiere sind auch schon wach, ansonsten bestaunen wir weiter die Landschaft, schießen ein paar Bilder oder nutzen die Handykamera für Videoaufnahmen, um zumindest ein bisschen diese wunderschöne Landschaft einfangen zu können.
| Inarie See (größter See Nordfinnlands) |
Das letzte Stück des Weges verläuft über die Straßenachterbahn 92. Der Bus fährt zügig durch eine Landschaft, die ein bisschen an einen Sumpf erinnert, und da stehen sie plötzlich! Zwei Elche stehen am Straßenrand und gucken ähnlich erstaunt wie wir, als sie uns erblicken! Diese Tiere sind, im Vergleich zu den Rentieren wirklich eine ganze Ecke größer.
Nach 2 Stunden sind wir am Grenzübergang. Es wird ein letztes Mal günstig getankt und dann fahren wir weiter. Allerdings für 10km entlang der falschen Straße. Clemens beobachtet den Grenzfluss und stellt fest, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite sein. Umdrehen, den ganzen Spaß wieder zurück und dann über die Grenze geht es rein nach Norwegen.
Die Häuser verändern sich kaum. Hier und da stehen vereinzelt Holzbauten in bunten Farben. Dafür verändert sich die Landschaft. In Finnland hatten wir uns über die gut ausgebauten Straßen gefreut, die teilweise recht gerade verliefen. Hier biegen und winden sich die Straßen durch die Landschaft. Es gibt keinen Mittelstreifen mehr, die Fahrbahnen fühlen sich schmaler an und die metallener Leitplanken sind an Holzpfählen befestigt. Von dem dichten Wald in Finnland wechselt es zu einer ganz anderen Landschaft. Links von uns gleiten die ersten Hügel mit knorrigen Bäumen an uns vorbei, die mal grün, mal steilere Steinklippen sind, rechts von uns ist eine Menge Wasser zu sehen. Erst denken wir an einen Fluss, stellen dann aber fest das es ein riesiger Fjord ist, welcher uns rund 200km bis zum Nordkapp hoch begleiten wird.
Nach rund einer Stunde in Norwegen überkommt uns eine große Müdigkeit. Wir suchen uns einen Parkplatz für ein kurzes Nickerchen und werden auch schnell fündig.
Motor aus, Schuhe aus, Wecker stellen. Ich gehe nach hinten auf den Rücksitz und als ich aus dem Fenster schaue sehe ich zwei Damen in Militärbekleidung auf uns zusteuern. Die Schilder, dass dies Militärgebiet ist, hatten wir zwar irgendwie wahrgenommen, uns aber nicht so viel dabei gedacht. Die beiden jungen, blonden Frauen, lächelten etwas verlegen und baten uns wieder los zufahren.
Motor aus, Schuhe aus, Wecker stellen. Ich gehe nach hinten auf den Rücksitz und als ich aus dem Fenster schaue sehe ich zwei Damen in Militärbekleidung auf uns zusteuern. Die Schilder, dass dies Militärgebiet ist, hatten wir zwar irgendwie wahrgenommen, uns aber nicht so viel dabei gedacht. Die beiden jungen, blonden Frauen, lächelten etwas verlegen und baten uns wieder los zufahren.
Gar kein Problem, wir zogen weiter und an einem Parkplatz direkt am Fjord machten wir Rast. Ein bisschen Schlafen, dann Mittagessen, ein paar Fotos schießen und weiter gehts. Es ist mittlerweile halb vier und wir brauchen, laut google noch immer drei Stunden bis zum Nordkapp.
| Ausblick von unserem Rastplatz |
| Porsangerfjord |
Die kurvigen Straßen erlauben es einem meist nur 80 km/h zu fahren. Daher dauert es alles etwas länger. Wir fahren die Strecke zwischen Bergen und Fjord hindurch, sehen hier und da Rentiere und lassen uns von einem großen Bus überholen, der es mit den vielen Touristen an Bord wohl etwas eiliger hat als wir. Die Landschaft, die an uns vorbeifliegt ist einfach unbeschreiblich schön. Wir passieren mehrere, abenteuerliche Tunnel und kommen immer weiter in den Norden. Schnee begleitet uns schon eine ganze Weile und die Temperatuen kriechen immer mehr auf Null zu. Irgendwann haben wir die Baumgrenze passiert und nach dem Ort Honnigsväg geht es fast nur noch Berg auf. Wir sehen die Straßenschilder mit der Entfernung zum Nordkapp und werden immer aufgeregter.
Die letzten 13km kämpfen wir uns mit dem Bus den Berg hinauf. Neben uns meterhoher Schnee.
Und dann endlich sehen wir sie, die weiße Kugel auf dem Gebäude am Nordkapp. Wir bezahlen natürlich Eintritt dafür das wir auf das Gelände dürfen (satte 50 Euro).
Wir fahren auf den Parkplatz um uns eine gute Lücke zwischen den aufgereihten Wohnwägen zu suchen. Ich möchte den kürzesten Weg wählen und denke mir noch, der Schnee da vorne sieht nicht so hoch aus, also einfach mal durch.
Nach nicht mal drei Metern sind wir stecken geblieben. Es ging weder vor noch zurück. Da standen wir nun, mitten auf dem Parkplatz, mitten im Schnee. Unfassbar. Gerade mal angekommen und dann sowas. Mit Lilian aus Nordschweden versuchten wir den Wagen zu befreien. Sie hatte eine riesige Schneeschaufel in ihrem Auto und damit holten wir den Schnee unter dem Auto hervor. Mit zwei Handtüchern unter den Vorderreifen versuchten wir den Wagen zu bewegen. Rückwärtsgang rein, Lilian und Clemens haben versucht anzuschieben und trotzdem hat sich nichts bewegt. Was nun?? Es kam ein Paar aus Österreich um die Ecke. Er bot uns seine Hilfe an. Mit Abschleppseil und Volvo wurden wir aus dem kleinen Schneeberg hinaus gezogen. Abenteuerlich und für mich etwas peinlich!
Wir suchen uns dann endlich einen Parkplatz, kramen unsere sieben Sachen zusammen und erkunden die Nordkapphalle. Trotz Schnee sind hier wahnsinnig viele Menschen unterwegs und immer wieder kommen Busse an und spucken ganze Menschenmassen aus.
| Eingang der Nordkapphalle |
Da keine drei Minuten später der Panoramafilm laufen soll, besuchen wir zuerst das Kino. 15 Minuten lang wird uns Nordnorwegen in all seinen Jahreszeiten gezeigt. Sehr beeindruckende Bilder und wie Clemens meinte ein 1A Werbefilm. Danach gehts zur ökomenischen Johannis-Kappelle, welche sich in ihrer Dekoration auf drei Dinge beschränkt hat. Jesus, das Kreuz und die Friedenstaube sind in allen christlichen Konfessionen enthalten, somit soll dies eine Kapelle für jedermann sein.
| Kapelle |
Es gibt weitere geschichtliche Daten zum Nordkap, gezeigt in übergroßen Modellen oder an Schautafeln. Weiter geht's in den Thai-Pavillon mit einer thailändischen Ausstellung und zum Schluss gelangen wir zu einer Lichtershow, welche Nordnorwegen auf eine etwas andere Weise darstellt.
| Modell |
| Thai-Pavillon |
| Raum für die Lichtershow |
| Lichterfarben wechselten passend zu den Jahreszeiten |
Nach unserer Erkundungstour landen wir im Souvenirshop. Wenn man einmal am Nordkapp ist, soll man doch bitte seinen Liebsten Postkarten senden. Wir schlendern durch die Gänge und finden ein paar Kleinigkeiten für uns und kaufen dazu ein paar Postkarten. Es ist gerade mal kurz vor neun und die Zeit bis zur Mitternachtssonne wollen wir uns ja irgendwie vertreiben. Langsam macht sich der Hunger breit, doch bevor wir zurück ins Auto gehen, um zu kochen, wollen wir einmal raus auf das 300m hochgelegene Plateau und ein Bild mit uns an dem Globus machen. Mit uns kommt eine grölende Gruppe Franzosen an. Somit versuchen wir uns irgendwie da drum rum zu arrangieren.
| Aussicht vom Plateau richtung Osten |
| Ende der Wanderroute E1 von Italien zum Nordkap |
| Blick in den Westen. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken |
| Globus ohne Franzosen |
| Es ist kurz nach neun und immer noch hell |
Es geht zurück zum Bus und ans Kochen. Da es wahnsinnig windig ist und gerade mal noch 0,5 Grad hat, beschließen wir im Bus zu kochen und die Abwärme für uns zu nutzen. Nach eineinhalb Stunden Kochen und Abwaschen schnappen wir uns die Kamera und die Postkarten und gehen wieder in die Halle. Wir setzen uns an eines der Fenster in dem Cafe und beginnen die Karten zu schreiben. Die Zeit verstreicht, es wird 23:30 und noch immer ist es taghell draußen.
In der Nordkapphalle sammeln sich die Menschen. Noch eine halbe Stunde, dann soll es soweit sein. Leider ziehen immer mehr Wolken auf. Um 0:00 Uhr ist fast jeder draußen, Clemens und ich schreiben einfach weiter Karten und gucken uns das Ganze einfach von drinnen an. Mit einem klaren Himmel hätte man sicherlich mehr gesehen. Keine 10 Minuten später sind fast alle Leute verschwunden. Wir schreiben die letzten Postkarten zu Ende und werfen sie in die große Postbox in der Halle. Danach gehen wir selber einmal zum Globus. Alles ist grau und im Nebel. Irgendwie schade. Wir beschließen noch ein bisschen umher zu wandern und um kurz vor eins reist der Himmel etwas auf. Die Sonne selber sehen wir zwar nicht, dafür aber einen wirklich schönen Sonnenaufgang ( auch wenn das vielleicht das falsche Wort ist, da die Sonne ja nie untergegangen ist... ).
| 00:15 es ist keiner mehr am Globus |
| Zeit für unser Touri Bild |
| Mit jeder Minute die vergeht reißt der Himmel weiter auf |
| 01:00 |
| Denkmal für die Kinder der Welt |
| Immer mal wieder der Globus vor dem Sonnenaufgang 01:15 |
| Die Türen bleiben nun bis um 06:30 verschlossen |
| Kurz vor der Abfahrt um 01:25 |
Von der Kälte und dem Licht sind wir beide noch ziemlich munter. Der Wind weht zwar nicht so stark, aber der Gedanke daran, unser Bett bei den Temperaturen zu erreichten, lässt uns beide erschaudern.
Somit beschließen wir einfach loszufahren und anzuhalten, sobald wir einen geeigneten Platz finden (eine Toilettenhäuschen ist ja schon ausreichend). Immer wieder unterbrechen wir unsere Fahrt zurück ins Tal. Die Kullissen die sich uns bieten sind einfach zu fantastisch! Mit Worten lässt es sich kaum beschreiben.
Nur eines, wir haben tatsächlich viele Rentiere und kleine Rentierkälber gesehen. ein Gespann haben wir sogar vor die Linse bekommen.
Um kurz vor drei (für uns ist es mit dem Talliner Rhytmus sogar kurz vor vier) spüren wir die Müdigkeit und 30km vor Oldenfjord fahren wir auf einen kleine Parkplatz. Die Sonne schimmert schon hinter dem Berg und noch während wir alles im Bus umräumen und das Bett aufbauen, erreichen die ersten Sonnenstrahlen das Auto. Der Wagen heizt sich bis zum Morgen sogar richtig auf. Eine kurze Nacht beginnt und ein schöner und auch anstregender Tag neigt sich dem Ende zu.
Ab jetzt geht es nur noch südwärts.
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