Vom Camping Platz Gällivare sind wir erst um elf aufgebrochen, was wir einer gründlichen Dusche zuzuschreiben haben. Der heutige, erste Streckenabschnitt sollte eine Stunde dauern und uns nach Jokkmokk bringen. Dank einer Baustelle dauerte es doch etwas länger. Während Clemens fährt, häkel ich fröhlich an meiner Giraffe weiter. Wir hatten beim gestrigen Einkauf ein sehr günstiges Kissen gefunden, das ich am gestrigen Abend an einer Ecke aufgeschnitten habe, um an das Füllmaterial zu kommen. Irgendwie hat sich das ziemlich verboten angefühlt, aber ohne die Füllung konnte ich nicht weiter häkeln.
Noch bevor wir Jokkmokk erreichen, stoppen wir auf einem kleinen Parkplatz am Waldesrand. Ein paar Hundert Meter zuvor habe ich eine Schlucht wahrgenommen, alle Nase lang fahren wir an Staudämmen vorbei und irgendwo muss ja das Wasser hin.
Kurzerhand klettern wir, mit der Kamera bewaffnet, über die Felsen und über dichtes, weiches Moos. Unsere Bilder können nicht mal annähernd die Natur einfangen die wir dort zu sehen bekommen.
Als wir nach einer guten dreiviertel Stunde das Stadtzentrum Jokkmokks erreichen, weist ein Schild direkt auf die Touristeninformation hin. Mit einem kleinen Stadtplan ausgestattet, machen wir uns auf die Socken, laufen an der Hauptstraße entlang, kreuzen eine Kirche, ein Museum und diverse Schulen und auf dem Rückweg zum Auto gehen wir in eine Sami Gallerie und beim Supermarkt ICA holen wir uns noch ein Eis. Das Wetter hat von Sonnenschein auf Hagel, auf Sonnenschein gewechselt. Die Temperatur ist heute mit neun Grad etwas milder als die letzten Tage. Trotzdem bleiben wir in unseren Winterjacken eingepackt, da uns die letzte kühle Nacht noch etwas in den Knochen steckt.
| Endlich mal ein Rentier das stehen bleibt ^^ |
Wir springen, nachdem wir dem Motor etwas Öl zum trinken gegeben haben, wieder in den Bus. Der zweite Stop ist eine weitere Autostunde entfernt auf unserer Strecke. In dem kleinen Ort Harads gibt es das Treehotel (Baumhotel), welches ich in dem kleinen Buch (100 Gebäude, die man gesehen haben muss), das ich von meiner Schwägerin Sandra zu Weihnachten bekommen habe, gesehen hatte.
Dort angekommen erwartet uns eine kleine Pension, bei der wir unseren Eintritt bezahlen. Hierin enthalten ist eine dreiseitige Beschreibung mit Plan und einer liebevoll geschriebenen Entstehungsgeschichte des Treehotels, sowie eine Postkarte pro Person. Mit der Karte machen wir uns auf den Weg zu den Baumhäusern und staunen nicht schlecht, was die Besitzer dort in die Bäume gezaubert haben.
Da wir vor Antritt unserer kleinen Wanderung nicht bezahlen konnten (irgendwie hatte das Gerät Probleme) sind wir danach nochmal in der Pension vorbei gegangen, um die Rechnung zu begleichen. Weder Clemens' noch meine Kredit oder EC Karten wollte das Gerät nehmen. Wir fühlten uns beide reichlich unbehaglich, die Dame von der Pension blieb zum Glück ganz ruhig. Als letzte Idee bot Clemens den 20 Euro Schein aus seinem Portemonnaie an. Statt Wechselgeld durften wir uns einfach noch zwei weitere Postkarten aussuchen. Alles ganz unkompliziert hier.
| The Cabin |
| The Dragonfly |
| The Bird's Nest |
| The Blue Cone |
| The Mirrorcube |
| The 7th room |
| The UFO |
Nun ist Fahrerwechsel angesagt. Clemens beginnt Socken zu stricken, während ich über die Straßen düse. Keine Baustellen mehr, wenig Verkehr auf den Straßen, so wie die letzten Tage auch, und ich fliege durch die Landschaft.
Mit jedem weiteren Kilometer ins Landesinnere, jedem See, der an uns vorbei gleitet, mit jedem Fluss, den wir kreuzen, mit jedem kleinen roten Haus, das mitten in dieser wunderschönen Landschaft steht, und mit jedem Mal, wenn das Licht sich golden verfärbt, verliebe ich mich mehr und mehr in Schweden.
In Bureå bleiben wir heute über Nacht. Wieder ein Campingplatz, bei dem wir nur 20 Euro lassen. In den letzten Tagen haben wir uns immer, wie zufällig, die günstigen Plätze raus gesucht. Noch immer scheint hier die Sonne ein wenig über die Bäume und taucht den Camping Platz in warmes Licht. Den Abend lassen wir bei ein paar Runden Rummikub ausklingen.
Dies ist unsere bisher gefahrene Strecke. Google sagt zwar nur 43 Stunden Fahrzeit an, wir schätzen aber, dass es bereits mehr Stunden waren, da man in Norwegen eher langsam voran kommt.
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