Dienstag, 16. August 2016

The country that rains

Als wir auf dem Festungsberg in Vilnius ankommen, haben Regen und Wind noch eine Nummer zugelegt. Der Regen an sich ist zwar nicht besonders stark, aber durch den starken Wind in dieser Höhe wird der feine Nieselregen auf die Dauer durchaus spürbar. Der Mann, der mit uns im Aufzug war, kommt zu uns zurück, um uns seine Kamera in die Hand zu drücken. "Make sure the flag is in it!" Die litauische Flagge auf der Spitze des verbleibenden Turms der ehemaligen Festung aus dem 14Jh. soll mit auf dem Bild sein. Der Mann, dessen Alter ich auf Mitte 60 schätze, kommt aus England, ist aber Litauer, nach eigener Aussage. Er kommt zurück, bedankt sich sehr freundlich für das Foto und erklärt uns mit einem breiten Lächeln, dass der Name Litauens "Lietuva" "Das Land, in dem es regnet" bedeutet, bevor er sich seine Kapuze aufsetzt und wieder in Richtung Turm davonstiefelt. Again what learnd!

Wir nutzen die Gelegenheit der Perspektive und machen ein paar Aufnahmen von der Stadt. Insbesondere die Neustadt ist von hieraus gut zu sehen mit seinen modernen Glasbauten, die allesamt abgeschrägt zu sein scheinen. Nach einem Rundgang um die ehemalige Burganlage fahren wir wieder nach unten, spannen unsere Schirme auf und starten unseren Spaziergang in Richtung Altstadt.


Die erste Station ist die große Kathedrale. Der separat stehende Glockenturm des neoklassizistischen Sakralbaus war früher selbst einmal Teil der unteren Burganlagen. Die Basis des Glockenturms kann man noch klar als ehemaligen Burgturm erkennen. Der Rest ragt wie ein Leuchtturm darüber hinaus. Die Kathedrale fasziniert mich besonders. Ich glaube, ich bin noch nie in einem solchen neoklassizistischen Gebäude gewesen. Die mächtigen Säulen am Eingang sind sowohl von ihrem Umfang als auch von ihrer Höhe her sehr beeindruckend. Im Innern der Kirche kann man sich leicht vorstellen, dass die christlichen Gotteshäuser den vorherigen, griechischen Tempeln nachempfunden sind.




Draußen hat es aufgehört zu regnen, als wir unseren Weg fortsetzen. Als nächstes steht bereits das Mittagessen an, dass wir im Forto Dvara einnehmen. Die traditionelle litauische Küche ist hier von einem Kulturausschuss besonders hervorgehoben worden und auch das Ambiente vermittelt einen wirklich einheimischen Eindruck. Leider ist das Essen auch sehr fettig, was uns noch den Rest des Tages über beschäftigt...

Tannenbaumkuchen
Auf unserem Weg durch die Altstadt kommen wir an unzähligen Kirchen vorbei. Laut unserem Reiseführer kann man keine 20 Schritte gehen, ohne über die nächste Kirche zu stolpern - den Eindruck haben wir auch. Teilweise sind sie direkt aneinander gebaut, mit unterschiedlichen Stilen, aus verschiedenen Zeiten, mit anderem Material. Eifrig lesen wir in unserem Reiseführer über jede Kirche die zwei bis drei Sätze, die er uns anzubieten hat, und lernen spannendes über die Geschichte der Gebäude. Zum Beispiel die barocke Kasimir Kirche, die in katholischer, orthodoxer und protestantischer Hand war, bevor sie in der Sowjetzeit als Museum für Atheismus genutzt wurde. Oder die gotische Backsteinkirche, die so filegran und kunstvoll gebaut ist, dass Napoleon sie am liebsten mit nach Paris genommen hätte.


Als der Nachmittag in den Abend übergeht, haben wir langsam aber sicher genug von der Stadt gesehen. Wir beschließen, auf unserem Rückweg durch das Künstlerviertel Užupis zu gehen - allerdings führt uns dieser Weg gefühlt einmal den Festungsberg hinauf, drum herum und wieder runter. Im Künstlerviertel gibt es für uns auch nichts spannendes mehr zu sehen und nach kurzer Zeit fängt es wieder zu regnen an, was auch, bis wir in der Wohnung ankommen, nicht mehr nachlässt.

Von dem langen Tag mit viel Bewegung und dem fetten Essen sind wir reichlich geschafft und beschließen, einfach ein bisschen auf unseren Betten zu entspannen. Doch als es nach einer Weile an unserer Zimmertüre klopft, beginnt ein Gespräch, dass uns bis nach Mitternacht fesselt. So willkommen haben wir uns selten gefühlt.

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