Dienstag, 9. August 2016

Begegnungen

Unsere erste Nacht im Camper war angenehm. Der morgen startet ruhig, doch irgendwann drängt es uns doch, endlich loszukommen. Nach dem Frühstück mit Rührei und Kaffee begebe ich mich zur Wasserstelle um abzuwaschen, während Sarah unser Mobil wieder herrichtet. Während ich warte, dass ein Spülbecken frei wird, werde ich angesprochen: "Wie ist die Stimmung in München?"
"Äh, gut," erwidere ich, "und wo kommst du her?" Und schon bin ich im Gespräch mit einem beleibten Berliner Mittfünfziger mit ruhiger, sanfter Stimme und langen grau-gelockten Haaren. Wir unterhalten uns über das Wetter, Berlin, unsere Reise. Als seine Frau dazustößt, wird ein Spülbecken frei und ich entschuldige mich hastig, dass ich mein Geschirr zum spülen holen muss. Die beiden verabschieden sich.
Jedoch bin ich der Ansicht, dass das eine gänzlich unangemessene Verabschiedung für so ein angenehmes Gespräch war. Nachdem das Geschirr gespült ist, schlage ich einen größeren Bogen zu unserem Wagen zurück und mache ein Campingmobil aus, dass ich dem Berliner Pärchen zuschreibe. Ein Oldtimer. Also gehen wir, als alles gepackt und abfahrbereit ist, noch zu den beiden, die mit Brötchen und Marmelade gemütlich beim Frühstück sitzen, in der letzten Ecke des Platzes, vollkommen ungestört.
Das angenehme Gespräch mit Bob und Susanne lässt sich mühelos fortsetzen. Keineswegs fanden sie meine abrupte Verabschiedung zuvor unhöflich: "Du wäscht ab, während deine Frau den Wohnwagen fegt - ist doch super!" Wir tauschen uns aus über Wohn-, Lebens- und Reisesituationen und stellen fest, dass auch die beiden eine Freikirche besuchen, aus den selben Gründen wie wir. Wie das immer so spielt...

Bevor wir dann tatsächlich starten entscheiden wir uns dazu noch eine der Karten zu öffnen. Liebe Ursula, hab vielen Dank für dieses schöne Panorama von München, welches nun unseren Bus schmückt :)

Endlich kommen wir los. Der Morgen war sehr schön, doch da die Straßen in Polen keine sonderlich schnelle Reise zulassen (und unser Fahrzeug auch nicht), müssen wir doch zusehen, dass wir nicht all zu viel Zeit verlieren, wenn wir noch zu einer angenehmen Zeit ankommen wollen. Am Abend wollen wir zum Treffen der Couch Surfing Gruppe in Danzig gehen, um vielleicht ein paar wertvolle Tipps für unseren Aufenthalt zu bekommen.
So ca. auf halber Strecke zwischen Mielno/Koszalin und Danzig haben wir dann eine weitere Begegnung, die ich so in Deutschland auch noch nicht hatte. Am Ortseingang einer der zahllosen Ortschaften, durch die uns die Landstraße führt, steht ein Polizist mit Fernglas und winkt uns raus. Hinter ihm sein Kollege und deren Fahrzeug mit laufendem Motor. Wir halten an und auf polnisch bittet uns der Polizist um Ausweise, Führerschein (des Fahrer) und Fahrzeugschein. Nach den anfäglichen Verständigungsproblemen kramen wir die geforderten Papier aus unseren Taschen hervor und die beiden verschwinden in ihrem Fahrzeug. Gefühlte 10 Minuten später kommen sie wieder zurück. Es ist alles ok, wir dürfen weiterfahren. Der Polizist geht auf seinen Posten zurück und erspäht die nächsten nahenden Autos.
Sarah ist sehr ruhig geblieben, mich hat es etwas nervös gemacht. Nicht, weil ich geglaubt hätte, dass irgendetwas nicht stimmen könnte, sondern mehr, weil ich keine Ahnung gehabt hätte, wie wir uns hätten verständlich machen können, wenn doch etwas nicht gestimmt hätte. Vollkommen unnötig also, diese Aufregung, und letztlich denken wir beide, ist es wohl eine gute Sache, dass sie uns hier kontrolliert haben. Es gibt uns irgendwie ein sicheres Gefühl...

Den Campingplatz bei Danzig erreichen wir gegen 17 Uhr. Weil er sehr hügelig, sandig und waldig ist, dauert es wesentlich länger als beim vorherigen Platz, bis wir unser Lager in einer zufriedenstellenden Lage ausgerichtet haben. 

Gegen 19 Uhr, als das Treffen der Couch Surfing Gruppe beginnen soll, verlassen wir endlich den Platz in Richtung Danzig. Zunächst ein Geldautomat, dann die Fahrkarten, dann die Tram in die richtige Richtung. Wo wir hin wollen, ist klar. Wie wir dahin kommen, bleibt zunächst ein Rätsel.
Als wir den Treffpunkt erreichen, ist es bereits nach 20 Uhr. Von der Tram dort hin sind wir noch einmal ca 2km gelaufen und an einer weiteren Tramstation vorbeigekommen. Hunger drückt die Stimmung, haben wir doch nach dem Frühstück außer einer Stulle und etwas Obst noch nichts weiter gegessen. Erst nach der Stärkung durch zweierlei Humus und eine Ofenkartoffel mit Chili sin Carne (dazu ein frisch gepresster O-Saft) fühlen wir uns in der Lage, uns in der Gruppe einzubringen. Bei dem Treffen unter freiem Himmel sind sicherlich 30 oder mehr Leute zusammengekommen. Schnell lernen wir andere Reisende kennen, aus Ägypten, Frankreich, Irland. Auch ein paar einheimische Damen haben sich eingebracht und uns mit den erhofften Insider-Tipps versorgt. Mit der richtigen App für den Nahverkehr sind wir nun auch für Warschau gerüstet. Sehenswert sei in Danzig generell die ganze Altstadt. Zurück zum Camp kommen wir am besten so-und-so. Toll!

Zuletzt geht auch unser anderer Plan auf: Jemanden kennenlernen, mit dem wir morgen ein wenig Danzig erkunden können. Mit Anael aus Frankreich tauschen wir Nummern und verabreden uns für ca. 11 Uhr am Hard Rock Café.

Völlig erschöpft kommen wir gegen 11 in völliger Dunkelheit bei unserem Wagen an. Was für ein Tag. Morgen Danzig!

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