Wir verlassen nun also Vilnius. Nach zwei wundervollen Tagen bei drei sehr herzlichen Menschen ist die Zeit für uns gekommen, weiter zu reisen. Nicht so früh wie erhofft, aber immerhin doch früher als befürchtet, schaffen wir es, uns zu verabschieden und Vilnius den Rücken zuzukehren.
Auf unserer Reise nach Riga haben wir uns noch zwei Orte in Litauen rausgesucht, die wir gerne besuchen wollen. Um alle Stationen auf einer halbwegs sinnigen Route zu vereinen, fahren wir also zunächst Autobahn, dann Landstraße, dann vermutlich das Äquivalent einer Kreisstraße, die gerade neu geteert wird - also eine einspurige Sand-, Matsch- und Schotterpiste. Höchst Abenteuerlich!
Dass die Strecke so abenteuerlich (und nebenbei gesagt auch wunderbar ruhig zu fahren, weil sehr leer, sehr gerade und auf sehr langen Strecken außerhalb geschlossener Ortschaften) verlief, tröstet uns auch darüber hinweg, dass das Ziel, für das wir diesen Umweg in Kauf genommen haben, verhältnismäßig enttäuschend war. Unser Reiseführer hatte uns wissen lassen, dass man die litauische Freude an Gewürzgurken am besten in der Gurkenhauptstadt Kedainiai erleben könnte, wo man sogar Schnapps und Marmelade aus dem Gemüse herstellt. Allerdings scheint es diese Köstlichkeiten auch wirklich nur während des alljährlichen Gurkenfestes zu geben, was leider gerade nicht stattgefunden hat. Naja.
Unser nächster Stopp hat es dafür umso mehr in sich. Der Berg der Kreuze ist während der Zeit des Kommunismus zum Symbol des politischen Widerstands geworden. Die Stimmung, die einen überkommt, wenn man zwischen den unzähligen Kreuzen entlanggeht, lässt sich kaum in Worte fassen. Bei der andächtigen Ruhe, die an diesem Ort herrscht, hört man das leise Klingeln, Klimpern und Klappern der kleineren Holzkreuze und Rosenkränze, die an die großen, fast materpfahlähnlichen Exemplare genagelt wurden, im Rauschen des Windes umso intensiver. Bei einer der größeren Statuen kommt leise Musik aus einem Lautsprecher, die sich aus der Entfernung fast anhört wie aus einem alten Transistorradio abgespielt. Ich glaube, hier findet man die Art Inspiration, die man zum Schreiben von Horrorgeschichten braucht...
Von hieraus weiter verläuft die Strecke recht ereignislos. Auf dem über Kilometer hinweg schnurgeraden Straßenabschnitt im flachen Land war der Übergang von Litauen nach Lettland so unspektakulär, dass er uns beinahe gar nicht aufgefallen wäre. Am Abend erreichen wir Riga und gegen 7 sind wir bei unseren Gastgebern. Wie in Vilnius kommen wir auch hier bei Geschwistern aus der lokalen Gemeinde unter. Der Empfang ist sehr herzlich und wir fühlen uns direkt sehr wohl. Bis spät in die Nacht hinein reden wir noch und tauschen uns über unseren Glaubensweg aus. Wieder einmal stellen wir fest, was für ein Segen diese Familie ist!
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