Sonntag, 18. Juni 2017

Zwei Tage Stockholm ganz ohne Bilder

Wie der Titel es verrät, sind wir am Samstag in Stockholm angekommen und selbst am Sonntagabend haben wir noch keine Bilder von dieser beeindruckenden Stadt geschossen. Vielleicht liegt es an ihrer Größe, der Andersartigkeit oder daran, dass wir einfach überwältigt waren. Möglicherweise lag es aber auch daran, dass wir noch nicht wirklich etwas von der Stadt gesehen haben, lediglich aus der Ferne haben wir immer mal wieder mit dem Auto die Altstadt umrundet.

Am Samstag kamen wir bereits gegen drei in Stockholm an und wir haben es uns zur Angewohnheit gemacht, nach einer längeren Fahrt, erst einmal die Kletterhalle aufzusuchen und unsere Arme und Beine an ein paar Boulderrouten auszustrecken.
Stockholm hat gleich sechs Kletterhallen, wir hatten uns spontan (und unwissend) für die kleineste entschieden, die aber ausschließlich Boulderrouten hat. Die kleine Halle, war neben dem großen Stadtion recht schnell gefunden und nach kurzem einparken haben wir uns bei Temperaturen über 20 Grad an die Route gewagt. Da wir für den Abend mit Jakob, einem der Studenten der bei uns in Tallinn übernachtetet hatte, verabredet waren, behielten wir immer die Uhr im Blick, um rechtzeitig duschen gehen zu können.
Am Ende des Kletterns machten wir ein paar Dehnübungen im oberen Stockwerk und vernahmen einen Geruch, der sich durch die Fenster hinein schlich. Als es dann auch noch einen Knall gab, mussten wir einmal nachsehen, was draußen vor sich ging, und keine 30m Luftlinie weiter stand ein brennender Transporter. Wir erfuhren, dass der blaue Bus bereits längere Zeit dort stand und wohl schon keine Reifen mehr gehabt haben soll. Aus sicherer Entfernung und bei geschlossenen Fenstern, konnten wir den Löscharbeiten zusehen und waren wirklich froh über den schnellen Einsatz der Feuerwehr, da bereits das Material des Hauses hinter dem Transporter in Mitleidenschaft gezogen worde.

Als alles etwas abgeklungen war und die Einsatzwagen bereits abgerückt waren, wagten wir uns zurück zu unserem Bus und gaben die Adresse für Shanes Apartment ein. Jakob hatte uns über den Gruppenchat in der Zwischenzeit mitgeteilt, dass ein Teil der Studenten sich zum Grillen bei Shane treffen würde und wir seien herzlich eingeladen. Die Chance weitere bekannte Gesichter zu sehen, wollten wir uns nicht entgehen lassen und so lenkten wir unseren Wagen einmal von Südstockholm nach Nordstockholm und vorbei an der ganzen Innenstadt. Hier läuft der Verkehr auf mehreren Ebenen, oberirdisch, unterirdisch und durch Tunnel über die vierzehn Inseln, aus denen Stockholm besteht, aber zum Glück konnte wir mit unserem Navi alles gut finden.

Nachdem wir einen Supermarkt ausfindig machen konnten und ein paar Dinge für den Grill gekauft hatten, begaben wir uns in den fünften Stock zur Wohnung von Shane und seinen Mitbewohnern Marco und Robin und fanden bereits einen laufenden Grill und ein paar nette und hungrige Menschen vor, die uns herzlich willkommen hießen. Jakob war selbst noch nicht eingetroffen, kam aber nach kurzer Zeit hinzu.

Wir genossen die Gespräche und lernten die neuen Gesichter kennen, während sich langsam die Sonne näher zum Horizont bewegte und die Temperaturen etwas abkühlten.
Um kurz nach neun verspürten Clemens und ich das Gefühl das wir aufbrechen sollten, um zu unserer Gastgeberin für diese Nacht zu kommen. Vielleicht ein gutes Bauchgefühl, denn mit Aufbruch, Fahrt und Suche nach einem Parkplatz brauchten wir eine gute Stunde, bis wir Ana Christinas Zuhause erreichten.

Sie begrüßte uns herzlich und stellte uns ihrer Tochter Isabella vor und in wenigen Minuten waren wir alle ins nächste Gespräch vertieft. Gegen elf überkam uns die Müdigkeit und der Gedanke, dass wir für den Gottesdienst am nächsten Tag früh aufstehen würden, daher begaben wir uns zu Bett.


Der Sonntagmorgen startete mit einem Omlette und weiteren Gesprächen mit Ana Christina, welche uns erzählte, wie sie von Kolumbien nach Schweden kam. Gegen zehn brachen Clemens und ich auf zur Gemeinde, da wir mittlerweile lieber früher als zu spät losfahren, um die vorhandene Parksituation ausfindig machen zu können. Ana Christina wollte noch eine ältere Dame auf dem Weg zur Gemeinde abholen, daher fuhr sie mit ihrem Wagen.

Beim Betreten einer unbekannten Gemeinde passiert fast immer das Gleiche. Man kommt keine 5m weit ohne angesprochen zu werden und noch bevor der Gottesdienst beginnt, werden wir in die ersten Gespräche verwickelt. Wir erfahren noch, dass der heutige Gottesdienst etwas besonderes sei, dass die Kinder und später die Studenten singen würden und dass es noch eine Überraschung am Ende gäbe und dann sitzen wir auch schon auf den Stühlen in der hintersten Reihe und lauschen der Übersetzung, welche wir das erste Mal durch einen Kopfhörer bekommen.

Wir genießen es beide, nach vier Wochen Pause wieder in der Gemeinde zu sitzen und spüren den spirituellen Hunger und wie wir die Worte aufsaugen. Bereits in Tallinn hatte ich das Gefühl mit den schwedischen Studenten auf einer Wellenlänge zu sein und auch nach dem Gottesdienst kommen wir wieder sehr schnell ins Gespräch. Das erste Mal bekommen wir mit, was eine "Fika" sein soll und dass es mehr als ein Kaffee und eine Kleinigkeit sei, in Schweden sei es ein Lebensgefühl und ich möchte meinen ein wirklich schönes.

Die Gesprächspartner fliegen uns nur so zu, immer wieder wiederholen wir woher wir kommen, dass wir vor vier Jahren nach München gezogen sind, dass wir das letzte Jahr in Tallinn verbracht haben und nun eine längere Reise durch Skandinavien unternehmen. Immer wieder kommt die Frage auf, wie lange Clemens und ich uns schon kennen und wann wir die Gemeinde kennengelernt haben. Seit Beginn unserer Reise im letzten Jahr haben wir unsere Geschichte bestimmt über 30 Mal erzählt, mal länger, mal kürzer, je nachdem wieviel Zeit zur Verfügung stand.
Als ich nach einer halben Stunde auf deutsch begrüßt und ebenfalls nach unserer Geschichte gefragt werde, kommen die Worte eher etwas stockend, denn seit fast einem Jahr hatten wir sie nicht mehr auf deutsch erzählt. Anita kommt aus Freiburg und ist bereits seit 15 Jahren in Stockholm, vorher war sie eine Zeitlang in Oslo unterwegs. Wir kommen ins Gespräch und nun stelle ich auch sehr viele Fragen. Ob sie sich wohl fühle, welche Schwierigkeiten sie so hatte, was sie in Stockholm halte und so weiter. Wir tauschen unsere Kontaktdaten aus und ich verspreche mich zu melden.

Ich glaube, erst gegen kurz vor drei verlassen wir das Schulgebäude, in dem sich die Gemeinde zum Gottesdienst und ihren Andachten trifft, und wir schließen uns einer kleiner Gruppe Studenten an, die vor hat in den Park Tantolunden zu gehen, um die Sonne zu genießen und die Gelegenheit zu nutzen ins Wasser zu springen.

Die komplette Aktion dauert länger als erwartet. Wie geplant steigen wir zu viert eine Station früher aus der Metro, um noch einen Supermarkt aufzusuchen. Unterwegs stellt Clemens fest, dass Stockholm ein wenig wie Berlin wirkt. Die hohen Wohnhäuser, die alle unterschiedlich aussehen und überall Grün in den Straßen. Die Stadt macht auch einen sauberen Eindruck. Auf Grund der Wärme entscheiden wir uns für ein bisschen Obst zum Mittag und ziehen dann weiter Richtung Treffpunkt im Park. Irgendwie können wir niemanden finden, aber Maureen stellt mehrere Anrufe in Abwesenheit fest.

Das Treffen wurde in einen anderen Park verlegt, somit begeben wir uns zur Metro und fahren weiter, um dann bei der nächsten Station auszusteigen und die Metro in die andere Richtung zu nehmen und letzten Endes in dem Park Tantolunden zu landen, bei dem wir vorher gewesen sind. Wir nehmen es alle mit Humor und waren froh das wir noch kurz bei einer Eisdiele anhalten konnten. Im Schatten und bei einem angenehmen Wind kühlen wir langsam wieder ab, während nach und nach andere Leute zu uns finden und wir in Gespräche bis in den Abend hinein versinken. Erst um kurz nach sechs machen Clemens und ich uns auf den Weg zurück zu unserem Bus, um die Strecke nach Uppsala zurück zu legen, wo wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden.

Jakob, Jonathan und Basti stellen uns ein Zimmer in ihrer WG bereit und als wir eintreffen lassen wir den Abend bei Pizza und Gesprächen ausklingen, bis wir alle müde in unsere Betten verschwinden. Tatsächlich sind wir bei soviel Ereignissen ganz ohne die Kamera ausgekommen und tatsächlich hat uns das nicht viel ausgemacht  :)

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