Samstag, 11. Februar 2017

Zurück nach Riga

Ich schlage die Augen auf; wir biegen ab. Gegenüber sehe ich einen Selver und weiß sofort: Das ist der Laden, in dem wir unseren ersten Einkauf gemacht haben, nachdem wir in Estland angekommen sind. Dementsprechend sind wir gerade in Pärnu. Mittlerweile lugt die Sonne über den Horizont und strahlt mir ins Gesicht, weil ich auf der linken Seite im Bus sitze.

Der Bus, in dem ich sitze, ist einer von zweien, die heute morgen in Tallinn gestartet sind, um uns zur Jubiläumsfeier meiner Firma nach Riga zu bringen. Damit wir rechtzeitig zum Tagesprogramm um 12 Uhr da sind, sind wir entsprechend um 6.30 Uhr gestartet. Die restlichen drei Stunden dieser Fahrt halte ich mich mit Lesen und Musik Hören bei Laune.

Gegenüber vom Hotel. Durch die Bäume etwas schwer zu erkennen, aber die Kuppel kennen wir doch noch, oder?


Pünktlich um 11.30 Uhr erreichen wir das Raddison Blu in Riga (von dem es dort tatsächlich drei oder vier gibt), beziehen unsere Zimmer und treffen uns beim Mittagsbuffet vor den Veranstaltungssäälen. Von den 400 Mitarbeitern aus 6 Ländern kenne ich nur eine Hand voll aus unserem Büro in Tallinn, aber die sind erstaunlich schnell gefunden. Auch nach dem Mittagessen suchen wir uns einen Tisch zusammen im Veranstaltungssaal.

Die drei Sessions, jeweils von einer Kaffeepause unterbrochen, finde ich persönlich nur mäßig spannend. Das liegt wahrscheinlich teils daran, dass ich von dem Metier nicht so besonders viel verstehe und aufgrund meiner befristeten Teilzeitanstellung mich dem Unternehmen auch nicht so sehr verbunden fühle, wie ich es sonst möglicherweise wäre.

Nach der offenen Frage-/Antwort-Runde an die Mitglieder des Managementbordes gab es eine Pause zum Frischmachen und ab 19 Uhr sind die Busse zur Feier gestartet. Das Eisenbahnmuseum in Riga liegt auf der anderen Seite des Flusses und durch die Menge an Einbahnstraßen und fehlenden Wendemöglichkeiten (für einen Reisebus) hat die Fahrt doch erstaunlich lange gedauert.

Im Gegensatz zu dem, was ich den Tag über erlebt habe, habe ich hier den Eindruck, dass die Kleiderordnung mit "Semi-Formal/Cocktail Attire" recht ernst genommen wurde. Alle Männer laufen im Anzug rum, teilweise mit Weste, immer mit Fliege oder Krawatte, alle Frauen im Abendkleid - und ich? Ich habe auch schicke Klamotten, aber natürlich nicht hier. Ich trage das, was ich schon zum Bewerbungsgespräch getragen habe: Eine saubere (*hüst*) Jeanshose, ein monochromes Hemd und darüber einen Strickpullover. Sorry, mehr ist nicht drin.

BigBank lässt sich sein 25 jähriges Jubiläum schon ganz schön was kosten. Nicht nur, dass alle Mitarbeiter aus allen Standorten eingeladen sind und teilweise eingeflogen wurden, auch die Feier hat es in sich. Beim Abzählen der Tische schätze ich die Beteiligung hier am Abend auf immerhin 300 Leute. Es wird gut und reichlich gegessen und getrunken, getanzt, gelacht und geredet. Vom Tanzen habe ich mich zurückgenommen, die Gelegenheit für Gespräche habe ich aber wahrgenommen.

Die Firmenband "BigBand" hat ebenfalls einen Auftritt.


Als um Mitternacht die ersten Busse zum Hotel zurück fahren, bin ich bereits vom Wein zum Wasser gewechselt. Ich selbst verabschiede mich dann zu 1.30 Uhr und bin um 2 Uhr im Zimmer. Da ich nach der bewegten Nacht noch nicht sofort schlafen kann, schaue ich mir noch eine Folge auf Netflix an und mache dann um 3 das Licht aus. Ein langer Tag.

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