Samstag, 18. Februar 2017

Lektionen und Gedanken

Der zweite Tag unseres Eheseminars begann mit einem zweigeteilten Frühstück. Da im Hotelrestaurant nicht genügend Plätze sind, um alle Paare gleichzeitig unterzubringen, wurden wir aufgefordert, vor oder nach unserem Frühstück noch einen Spaziergang zu zweit zu machen. Glücklicherweise hatte ich mich von meinen Rückenschmerzen vom Vortag erholt und konnte den Morgen so richtig genießen.

Beim Frühstück haben wir mit Reto und Kamille zusammengesessen, was noch zu einer amüsanten Situation geführt hat, als der übervolle Garderobenständer hinter uns aufgrund der einseitigen Belastung einen Abgang machte. Mit dem Paar aus der Tallinner Gemeinde treffen wir uns seit Jahresbeginn regelmäßig, um gemeinsam über die "8 essentiellen Prinzipien einer gedeihenden Ehe" zu reden.

Als sich der Saal gegen 9 Uhr mehr und mehr füllte - vermutlich, weil die erste Schicht von ihren Spaziergängen zurückkehrte - beschlossen auch wir die mild-kühle Morgenluft zu nutzen. Das Hotel als Veranstaltungsort für das Seminar liegt in einem Vorort im Westen von Riga und ist nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Nach einem kurzen Stück durch ein schön angelegtes Waldstück und an ein paar neuzeitlichen Barock-Villen vorbei (leider keine Bilder :( ), erreichten wir den Strand, an dem sich uns das selbe Spektakel bot, dass wir bereits am Vortag bemerken durften. Ab ca. 50 Meter, bevor wir das Wasser erreichten, war der Strand auf ganzer Länge von Eis bedeckt. Teilweise türmten sich die Eisschollen einen halben Meter hoch auf, teilweise lagen sie flach und bedeckten eine dünne Wasserschicht, nur durch einen zarten Film glasklarer Kristalle miteinander verbunden. Als ob jemand behauptet hätte, Gott könnte nicht romantisch sein, und Er müsste nun das Gegenteil beweisen...

Auf dem Rückweg zum Hotel kamen wir in dem Waldstück an einem schlichten Aussichtsturm vorbei. Nach kurzer Überlegung bestiegen wir den Tum und hatten wenige Momente später einen Ausblick über die Wipfel der umliegenden Bäume hinweg.

Das Seminarprogramm am Vormittag bestand aus Lehreinheiten von zwei verheirateten Paaren aus den USA, sowie einem Erfahrungsbericht eines weiteren, teilnehmenden Paares (ebenfalls USA). Leider habe ich der Technik unseres Tabletts etwas zuviel zugetraut und die Hälfte meiner Notizen wieder verloren, weil ich zwischendurch nicht regelmäßig manuell gespeichert habe. Die Vorträge haben aber trotzdem viele spannende Erkenntnisse mit sich gebracht, die uns sicherlich noch einige Zeit begleiten und uns im ehelichen Wachstum helfen werden. Unter anderem gab es eine Handvoll mit Fragen zur Selbstevaluierung, die sich sicherlich in einem unserer Dates mal ganz gut machen.

Nach den Lektionen war noch Zeit für ein gemeinsames Mittagessen, dass wir mit Janis und Mare genießen. Wir haben schnell das Gefühl, sehr leicht an unsere schöne Zeit vor einem halben Jahr anknüpfen zu können. Eigentlich hatten wir uns bereits im September vergangenen Jahres wiedersehen wollen, als die beiden zu einer lättisch-estnischen Hochzeit nach Tallinn eingeladen waren, doch weil Janis sich am Tag der Hochzeit (noch in Riga) bei einem Gerangel das Bein gebrochen hatte, war daraus leider nichts geworden.

Nach dem Mittagessen wollten wir die restlichen Sonnenstunden noch nutzen, um nachzuholen, was wir bei unserem letzten Besuch nicht geschafft hatten: Einen Spaziergang an der Promenade von Kipsala.
... auch hiervon gibt es dieses Mal keine Bilder. Zum einen haben wir die Gegend nicht als so außergewöhnlich empfunden, dass wir das dringende Gefühl hatten, Bilder machen zu wollen, zum Anderen waren wir auch tief in ein Gespräch über die gerade gehörten Inhalte verwickelt. So tief, dass wir nach 90 minütigem Spaziergang noch ca. eine Stunde in einem Café im nahe gelegenen Einkaufszentrum gesessen sind, um weiter reden zu können.
Ich finde es erfrischend, beruhigend und gleichzeitig aufregend, dass wir nach bald zwei Jahren Ehe und dreieinhalb Jahren in einer Beziehung noch immer so lange und tiefe Gespräche führen können. Wir spüren in diesen Punkten immer mehr unserer Entwicklung von unserem vorherigen Verständnis von Beziehungen hin zu einem klareren, reiferen und gesünderen Weltbild.

Am Abend waren wir wieder bei Janis und Mare, die uns ein weiteres Mal beherbergten. Wir aßen und tranken, redeten und lachten zusammen bis tief in die Nacht. Den Abschluss bildete eine ca. 100-seitige Bilderschau ihres vierwöchigen USA-Winterurlaubs.
Es war einfach wieder eine wunderschöne Zeit zusammen! Vielen Dank!

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