Sonntag, 11. September 2016

Zweite Woche in Tallinn

Jetzt ist bereits die zweite Woche im schönen Tallinn rum und wir gewöhnen uns immer mehr in unserer Wohnung ein.

Am Montag wollten Clemens und ich zum Amt fahren um unsere Ausweise zu beantragen und haben feststellen müssen das jemand in unseren Bus eingebrochen ist, den wir ein paar Straßen weiter auf einem bezahlten Parkplatz abgestellt hatten.
Nachdem wir letzte Woche Donnerstag vom Strand zurück gekommen sind, hatten wir zum Glück die restlichen Kleinigkeiten rausgeräumt. Somit ist der Besucher nicht zum Dieb geworden. Alle Schränken waren geöffnet, jedes Fach stand offen und die Sachen waren quer über dem Boden verteilt. Auch unser Parkticket lag am Boden, was uns am Samstag noch einen Strafzettel eingebracht hat. Somit konnten wir die Tatzeit eingrenzen.
Leider ist die Person durch die Fahrertür eingedrungen und hat dafür das Schloss der Tür komplett demoliert. Nun können wir wieder mal nur noch durch die Beifahrertür einsteigen, so wie vor gut zwei Monaten in München, als uns jemand unsere Schlösser mit Kleber zugeklebt hat. Mich beschleicht nach solchen Momenten immer wieder das Gefühl, dass der Bus uns Unglück bringt.
Da ich weiter zur Uni musste, um mir den ersten Kurs anzusehen, hat Clemens auf die Polizei gewartet. (Die dann auch kam: Eine Polizistin und eine Dolmetscherin haben das Protokoll aufgenommen, dass ich im Laufe der Woche per Email zugeschickt bekommen habe. Anm. C.)

Meine Uni hatte somit begonnen. Ich habe einen Kurs am Montag besucht und mich direkt dagegen entschieden. Zwei Programme die ich überhaupt nicht kenne und die Aussage, dass dies einer der schwierigsten Kurse der Uni sei, haben mich zu dieser Entscheidung bewogen. Es ist gar nicht so leicht englisch sprachige Kurse zu finden, für die ich auch noch Noten erhalte. Das System funktioniert hier dann doch etwas anders, meist mit bestanden und durchgefallen und da dies von der TU München nicht anerkannt wird, muss ich also nach Fächern suchen, die ich belegen kann.
Den zweite Kurs am Montag vergesse ich dann gleich mal wieder, da er auf den Kurs vom Vormittag aufbaut. Ich durfte somit die restliche Zeit am Montag nutzen und  mit Clemens unsere Ausweise zu beantragen. 
Die Ämter in Tallinn sind dann doch etwas anderes als bei uns. Zum einen ist das, was bei uns das Bürgeramt ist, hier Teil der Polizei (Politsei) Behörde (und dementsprechend sitzen alle Sachbearbeiterinnen mit blauem Polizei-Pullover, Wappen und Rangabzeichen hinter den Schaltern; Anm. C.), zum anderen gibt es eine ganze Menge an Schaltern, so dass unsere Wartezeit sehr gering bleibt. Vor Ort hat man die Möglichkeit ein Passbild zu machen, falls man noch keines besitzt. Für diese stehen Automaten bereit, die das Bild direkt an das System der Polizei senden. Es entstehen keine Extrakosten.
Am Abend sind wir noch zur Technischen Universität rausgefahren, um uns mit der Studentengruppe zum Tischtennisspielen zu treffen. Wieder eine gute Gelegenheit, die Freundschaftsbande enger zu knüpfen.

Am Dienstag geht es für mich Vormittags wieder zur Uni, heute möchte ich mir zwei Design Studios ansehen. Eines davon werde ich auf jeden Fall belegen, da es mir acht von den geforderten 20 Kredits einbringen wird. Drei Professoren leiten den Master-Kurs am Vormittag und einer von ihnen erinnert mich stark an den Professor meines letzen Semesters. Die meisten Erklärungen geben sie uns auf Englisch, manches wird auf Estnisch besprochen. Direkt nach der Projektvorstellung wird die erste Aufgabe genannt. Margaux, die französische Austauschstudentin, und ich sind noch im Gespräch als die Studentin Jaanika und der Student Jüri auf uns zukommen und uns fragen, ob wir zusammen als Gruppe weiterarbeiten wollen. Beide waren vorher an einer anderen Uni in Tallinn.
Da ich mir noch ein weiteres Studio angucken möchte, versichere ich ihnen bescheid zu geben, nachdem ich die andere Einführung gehört habe. 
Mir bleiben nun gut zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Termin und ich melde mich bei Clemens, von dem ich weiß, dass er in der Stadt unterwegs ist um seine Sim-Karte zuschneiden zu lassen. Wir treffen uns im Viru Keskus (Einkaufscenter) auf einen Snack und ich erzähle ihm vom Kurs und wie begeistert ich davon war, dass uns die Studenten so direkt angesprochen haben. In München ist das bisher nicht so vorgekommen.
Innerhalb unserer Unterhaltung beschließe ich dann mir das zweite Studio gar nicht mehr anzusehen und das Design Studio des Masters zu belegen.

Am Mittwoch treffen wir uns bereits das erste Mal als Gruppe um die Aufgabe zu bereden. Den Vormittag habe ich mit dem Haushalt verbracht und am Nachmittag treffe ich die drei in der Uni. Seit dem wir in Tallinn sind, lege ich jede Strecke zu Fuß zurück. Die 1,8km zur Uni schaffe ich in 17-25 Minuten, je nachdem wie schnell ich laufe und wie viel Gepäck ich auf dem Rücken mit mir rumtrage. 
Gegen Abend treffen Clemens und ich uns mit der Teen- und Studentengruppe zu einem Austausch. Hier in Tallinn wechseln sich die Mittwoche ab. Es gibt entweder ein Treffen in den Familiengruppen oder eine Andacht (und die Andachten scheinen immer gut besucht zu sein. In dem kleinen Saal, in dem wir letzte Woche waren, kam es mir fast so vor, als sei die ganze Gemeinde anwesend! Anm. C.). 
Direkt nach dem Treffen zieht es mich nach Hause. Der Magen fühlt sich unwohl und ich fühle mich seit Tagen ziemlich K.O. und müde. Ständig Englisch zu sprechen strengt noch ziemlich an. Zum Glück schalte ich nochmal den Rechner ein um in der Facebook Gruppe der Austauschstudenten zu lesen, dass wir für das morgige Stadtplanungsstudio ein Fahrrad mitbringen sollen. Die ersten zwei Tage dieses Kurses müsse jeder besuchen und auch an der Exkursion nach Rotterdam teilzunehmen sei pflicht. Weitere 8 Kredits soll dieser Kurs bringen und ich habe mich für ihn entschieden noch bevor ich überhaupt daran teilgenommen habe. Einfach um sicher zu gehen das ich irgendwie auf meine 20 Kredits komme. Mal sehen wie es funktioniert zwei Design Studios zu belegen.

Donnerstag früh werde ich mit einem Kribbeln im Hals wach. Oh je, hoffentlich nichts ernstes? Während des Frühstücks beginnt mein Husten. Nichts desto trotz schnappe ich mir das Fahrrad und begebe mich zum Unigebäude in der Altstadt. Durch die Altstadt selber schiebe ich das Fahrrad; die vielen Touristen und das Kopfsteinpflaster, sowie die Baustelle und das es bergauf geht, halten mich davon ab einfach hindurch zu radeln. 
Nachdem ich reichlich umständlich mein Fahrrad in das Uni Gebäude geschafft habe suche ich den Kursraum. Als endlich alle da sind, sind wir genau acht Studenten die diesen Kurs besuchen. Solche Kursgrößen für ein Entwurfsstudio wären in München undenkbar!
Nach der Einführung gibt es eine kurze Mittagspause und dann radeln wir los. Insgesamt 30 km lege ich auf dem Rad an diesem Tag zurück. Der Husten wird leider immer schlimmer und am Abend fühle ich mich ziemlich matschig. Ich bin froh als ich endlich nach Hause komme. 

Freitag früh ist es dann amtlich. Ich bin erkältet. Der Husten hat sich breit gemacht und auch meine Nase legt ordentlich los. Heute stehen beide Design Studios auf dem Plan. Zeitlich überschneiden sie sich, ich musste schon meiner Gruppe vom Dienstag mitteilen das ich das Studio etwas früher verlassen muss um beim Stadtplanungsstudio zu sein.
Die Professoren sind wie beim ersten Treffen wieder eine halbe Stunde zu spät. Sie erzählen erstmal Allgemeines und fragen dann, wer zu erst seine Sachen vorstellen möchte.
Alles schweigt stille. Ich überrede unsere Gruppe unsere Sachen zu präsentieren. Es läuft alles schleppend an. Ein paar wenige Gruppen ziehen nach und unsere Professoren verlassen sogar über eineinhalb Stunden früher, als vom Zeitplan her vorgegeben, den Raum. Sie schienen nicht zufrieden gewesen zu sein. Allerdings hatte von uns keiner das Gefühl, dass die Aufgabe klar definiert gewesen war. (Nur: Warum stellt dann keiner zur rechten Zeit fragen? Anm. C.)
Mir bleibt noch Zeit zum Mittagessen und zusammen mit vier Jungs aus meinem anderen Design Studio begebe ich mich zu Rimi um mir etwas zu Essen zu jagen.
Der Nachmittag hat es dann wirklich in sich. Wir spielen das gesamte Semster in nur fünf Stunden durch. In zweier Gruppen beginnen wir Analysen zu erstellen und müssen diese auch vorstellen. Ich ärgere mich immer wieder darüber das mir die englischen Begriffe fehlen und versuche einfach zu umschreiben. In diesem Kurs ist Ruth; sie kommt ursprünglich aus Rumänien und hat ihren Bacherlor in Urban Planning (Stadtplanung) in Wien abgeschlossen und ihren Master in Hamburg begonnen. Wir können uns hin und wieder mal auf Deutsch unterhalten. Wenn möglich versuchen wir auf englisch zu reden, damit die anderen sich nicht ausgeschlossen fühlen.
Am Ende des Nachmittags soll jeder ein Konzept präsentieren. Da mir der Husten und Schnupfen ziemlich aufs Gemüt schlagen, fällt es mir schwer mich zu konzentrieren. Ich bringe zwar etwas aufs Papier, in der Stunde die sie uns gegeben haben, aber ich weiß selber, dass zu der Idee noch einiges fehlt.
Als ich nach Hause komme falle ich nur noch aufs Sofa. Clemens hat den Termin am Abend abgesagt um für mich da zu sein. (Capture the Flag am TU Campus. Was ich jedoch nicht abgesagt habe, ist, meine estnische ID-Card abzuholen. Schon am Mittwoch hatten wir beide je eine Email bekommen, dass unsere ID-Cards zur Abholung bereit lägen. Da das nun nur zwei Tage nach unserer Antragstellung war - und nicht 30, wie man uns gesagt hatte - konnten wir erst gar nicht glauben, was Google Translate uns da erzählte. Doch es war wahr: Zwei Tage und die ID-Cards waren fertig! Amazing! Anm. C.)

Mein Wochenende verbringe ich im Bett, obwohl draußen die Sonne lacht. Dieses Bild, was Dominique mir geschickt hat, beschreibt den Verlauf des Wochenendes ziemlich gut. Die Wahl viel auf Marvels Agents of Shield.


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