Sonntag, 18. September 2016

Woche drei

Nachdem ich nun ein recht ruhiges Wochenende im Bett verbracht habe, spüre ich mein Pflichtbewusstsein der Uni gegenüber ganz deutlich.
Am Montag in der früh geht es erstmal zur Polizei meinen Ausweis abholen. Nun bin ich auch offiziell angemeldet und darf mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos fahren! Danach treffe ich mich im Verlauf des Vormittags mit meiner Studienkollegin Margaux aus dem Stadtplanungsstudio. Jaanika, aus unserer Gruppe, hat es mit Fieber ziemlich erwischt, so dass sie erstmal zu Hause bleiben muss und Jüri hat noch andere Kurse belegt. Da ich mich noch nicht so richtig fit fühle bietet Margaux sofort an bei mir zu Hause vorbei zu kommen. Hier stellen wir schon mal die ersten Sachen zusammen, die sie dann Nachmittags mit Jüri besprechen kann.

Am Dienstag sollen unsere Ergebnisse dann vorgestellt werden. Mal wieder sind die Professoren eine halbe Stunde zu spät dran. Einer der dreien ruft uns kurz zu sich, weil er uns etwas zu dem Viertel erzählen möchte, welches wir innerhalb der Gruppe analysieren. Ich glaube zumindest, dass er uns etwas erklären will, für mich kam das etwas zusammenhangslos. Jedenfalls drückt er mir nach kurzer Erklärung ein deutschsprachiges Buch zum Thema Stadtplanung Stuttgart in die Hand und meint ich könne es mir ausleihen. Etwas überrascht nehmen wir wieder unsere Plätze ein und warten auf die erste Präsentation. Die Leute sind mal wieder reichlich schüchtern und auch meine Gruppe möchte nicht anfangen, da wir ja letztes Mal die ersten gewesen sein. Was ein Kindergarten! Das habe ich in München nie so erlebt. Scheinbar ist der Andres Alver (einer der Architekten / Professoren) hier eine größere Nummer und vielleicht haben die anderen daher etwas mehr Angst. Ich hingegen finde ihn lustig :)
Nach dem das Studio gegen 13:00 Uhr zu Ende ist, organisiere ich mir etwas zum Mittagessen und verzehre dies in der Nähe des Unigebäudes, auf einer Bank unter den Bäumen. 

Im Anschluss setze ich mich für das Stadtdesignstudio mit Juhan zusammen. Wir merken beide schnell das uns keine richtig guten Ideen kommen, weil wir vom vorherigen Studio noch K.O. sind und ich eindeutig mit meinem Englisch hinterher hinke und er mir nicht seine Gedanken klar machen kann. Wir beschließen daher unsere Arbeit auf den morgigen Tag zu verlegen.
Der Rest vom Dienstag vergeht für mich wie der Rest vom Montag. Ich hänge zu Hause auf dem Sofa rum und versuche gesund zu werden. Dieser Husten ist irgendwie hartnäckiger als sonst.

Mittwoch früh komme ich dann um Recherchearbeiten nicht mehr drum rum. Gegen 14:00 Uhr treffe ich Juhan und wir finden endlich die richtigen Ideen, wie wir Tallinns öffentlichen Nahverkehr anschaulich darstellen können. Bis kurz vor 18:00 können wir daran arbeiten, danach muss Juhan zum nächsten Kurs. Ich packe meine Sachen zusammen und kehre nach Hause zurück. Eigentlich wollte ich zur Midweek mitgehen, da ich aber den Arbeitsaufwand als reichlich hoch einschätze, bleibe ich kurzer Hand zu Hause und hänge mich an den Laptop um die Karten fertig zu stellen. Man mag es kaum glauben, dass dieses Gerät gerade mal drei Jahre alt ist, denn schon jetzt hat er Schwierigkeiten hinterher zu kommen, bleibt in einigen Programmen hängen und muckt hier und da mal rum. Ich fürchte, nach dem Auslandsjahr darf ein neues Gerät her, damit ich sicher durch den Master komme.
Gegen 0:00 Uhr habe ich dann endlich alles bearbeitet und hochgeladen, damit ich es zu Juhan schicken kann. Müde geht es ins Bett.

Der Donnerstag startet wieder ordentlich durch. Das Stadtdesignstudio scheint wirklich das aufwändigere zu sein. Wieder eine Präsentation in Englisch und wieder stehe ich mir selbst reichlich kritisch gegenüber. Es fließt einfach noch nicht, aber ich habe ja noch weitere 8 Monate um das in den Griff zu bekommen.
Heute bekommen wir die Zusage zur unserer Exkursion nach Rotterdam. Auch wenn noch nicht klar ist, ob wir Zuschüsse von der Uni bekommen, wollen doch alle acht Kursteilnehmer auch an der Exkursion teilnehmen. Nach Beenden des Kurses geht es also ans Flüge Buchen.
Desweiteren wurde uns die nächste "Hausaufgabe" mitgegeben. Ich schätze mal, dass ich Clemens dazu überreden muss mit mir am Wochenende spazieren zu gehen!
Am Abend fühle ich mich endlich mal wieder so fit, das ich zur Studentengruppe an der Tallinn Universität mitkommen mag. Zusammen mit Clemens treffen wir Daniel, Veiko und Helle-Mai und verbringen eine schöne Stunde miteinander.

Am Freitag Vormittag muss nun unsere Vierergruppe ihre Ergebnisse im Stadtplanungsstudio vorstellen. Der Vergleich zwischen Tallinn, Nantes (in Frankreich) und München kommt zum Schluss. Der Professor, der mir das Buch geliehen hatte, fragt mich noch etwas zu München und ich muss zugeben das ich mich nicht genug auskenne um ihm eine Antwort geben zu können. Obwohl ich nun schon drei Jahre dort bin habe ich von München bisher weniger gesehen als von Tallinn in den letzten drei Wochen. Nach dem Kurs versuchen wir in der Vierergruppe noch kurz zu besprechen, wie es weitergehen soll. Jaanika ist über das Wochenende in Oslo, aber sie liefert sofort den ersten Vorschlag, welchen grünen Flecken in Tallinn wir weiter analysieren könnten. Für Margaux und mich heißt es nun wieder entweder suchen oder sich auf das Wort der Ortsansässigen verlassen.
Direkt danach kann ich Juhan noch kurz abfangen um zu besprechen, wie wir beide mit der anderen Aufgabe vorgehen wollen. Obwohl er am Donnerstag meinte, dass er sich Freitag für eine Besprechung Zeit nehmen wolle, ist er gerade auf dem Sprung. (Man man man, es ist ganz schön schwierig eine Gruppenarbeit zu machen, wenn die Gruppenmitglieder so unwillig sind oder aber ich nehme dieses Studium einfach zu ernst)
Am Abend geht es für Clemens und mich zum Fastenbrechen ins Zuhause von Helle-Mai. Sie lebt mit ihrem Bruder zusammen bei den Eltern. Überrascht durfte ich feststellen, dass ich Tochter und Eltern vorher nicht zusammen in Verbindung gebracht hatte, Clemens musste darüber schmunzeln.
Zum Essen haben Clemens uns ich einen gemischten Salat beigesteuert und mit 15 Mann sind alle Leckereien von Bohnen, über Pommes und leckerem Hühnerfleisch, recht schnell verputzt.
Danach finden wir die Möglichkeit zu Gesprächen, vereinzelt werden Schachbretter rausgezogen oder alternativ Dame gespielt. Im Hintergrund läuft zu erst Lounge Musik, bis die ältere Generation anfing nach estnischen Schlagern zu suchen. Obwohl ich kein Wort verstanden haben, hat mich die Musik doch sehr angesprochen.

Obwohl mich Husten und Schnupfen immer noch auf Trab halten, begleite ich Clemens am Samstag früh zum Gebetsmorgen. Wir haben so auch die Chance, direkt danach den Spaziergang für das Stadtdesignstudio zu machen. Daniel hat diese Morgende für die Studentengruppe vorgeschlagen und tatsächlich bete ich heute das erste mal auf Englisch. Es fühlt sich völlig fremd an, aber die Worte der anderen geben mir Kraft und Mut für die nächsten Tage. Wir begleiten Helle-Mai ins Reval Café, welches eine ortsansässige Kette ist. Damit ich mal ein bisschen Zeit alleine mit Helle-Mai haben, setzen wir uns abseits von den Jungs. Ich merke immer wieder, wie sehr mir die vertrauten und auch spirituellen Gespräche mit meinen Freunden fehlen.
Gegen kurz vor elf muss sie bereits weiter zum nächsten Termin und da Clemens und die Jungs noch ihre Quiettime haben, schnappe ich mir die Kamera und gehe zurück zum Unabhängigkeitsplatz um die Ecke. Jetzt kann ich die Gelegenheit nutzen und mal wieder ein bisschen Architektur fotografieren. Leider habe ich Nudel vergessen den Akku aufzuladen, sodass nach den ersten 15 Bilder die Akkuleistung auf einen Balken runterspringt. Vom Cafe aus laufe ich rechts raus und kehre so noch einmal zurück zum Friedensplatz, gestaltet von meinem bereits erwähnten Professor Andres Alver. Hier laufe ich auf und ab und begebe mich dann ein Stück in die Altstadt rein wo ich gleich das erste grünen Fleckchen finden, das mich wirklich anspricht und das ich als eine Möglichkeit für die Gruppenarbeit erachte. 















Als Clemens etwas später zu mir kommt, schlage ich vor den geplanten Spaziergang auf Morgen zu verlegen. Zum einen lockt die Altstadt mit Musik und Kunsthandwerksständen und zum anderen denke ich an die Akkuleistung, von der ich nicht möchte, dass sie mitten im Wald den Geist aufgibt und uns zwingt den Spaziergang zu wiederholen. Clemens stimmt mir zu und wir setzen unseren Weg durch die Altstadt fort. 
















Wir gehen bis hin zum Wasser und dem Gebäude, in dem wir uns nächste Woche eine Wohnung ansehen werden. Am Strand Kalarand finde ich das nächste Fleckchen Grün. Hier ist auch ein kleiner Fischmarkt und ein Imbiss, bei dem wir für ein kurzes Mittagessen und estnischer Limonade stoppen. Am Nebentisch wird sich auf deutsch unterhalten, aber keiner nimmt zum anderen Kontakt auf.
Nach dem Essen gehen wir über Kalarand und ich schieße den Akku vollständig leer. Da wir es nun bereits halb drei haben, beschließen wir den Weg nach Hause anzutreten. Immerhin sind wir nun schon gut sechs Stunden unterwegs und Morgen steht ein weiterer Spaziergang an.









Da sich Clemens am Abend noch zum Sport verabredet hat, überarbeite ich die Bilder vom Tag und mache es mir dann mit einem Film auf dem Sofa gemütlich.

Der Sonntag startet für uns wieder zeitig, um 10:00 Uhr findet heute ein Seminar statt und um 12:00 Uhr ist dann der Gottesdienst.
Danach fahren wir mit unserem Bus in Richtung Haabersti. Diesen Teil von Tallinn soll ich bis nächste Woche Donnerstag zusammen mit Juhan analysieren. Damit ich das machen kann, habe ich beschlossen einmal komplett den Weg entland der Strommasten durch das Viertel zu laufen. Google sagte ca. 7,3km für Hin- und Rückweg und gut eineinhalb Stunden voraus. Da ich aber alle paar Meter für Fotos stehen bleibe, werden aus den eineinhalb Stunden mal eben drei. Clemens hat sich sein Longboard mitgenommen und fährt immer mal wieder an mir vorbei, während ich versuche alle Infos zu erfassen. 

















Reichlich geschafft gehen wir dann noch einkaufen (ja, auf einem Sonntag!) und bereiten uns dann zu Hause eine ordentliche Portion Bratkartoffeln zu. Den Abend runden wir mit Baymax ab :)

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