Dienstag, 29. November 2016

Es wintert hier sehr...

Direkt nach meiner Rückkehr aus Rotterdam (Ende Oktober) hat mich der Alltag wieder schnell gepackt.
Noch am selben Tag habe ich angefangen Kartons zu bepacken, da wir wie geplant an dem Wochenende in die neue Wohnung umgezogen sind.

Mit jeder Tasche und jedem Karton der sich in unserem Flur stapelte, habe ich mich gefragt wie wir bloß all das Zeug im Bus unterbekommen konnten, mal ab von den zwei Kartons mit Kleidung, die Carola uns hinterher geschickt hatte und dem DM Care-Paket. Ein Bild von unserem vollbepackten Bus seht ihr hier.

Tatsächlich sind wir mit einer Busfahrt ausgekommen.
Zum Glück hatten wir an dem Sonntag einige Umzugshelfer, so dass unser fahrbarer Untersatz in Windeseile beladen war. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben sich die Umzugshelfer dann zu Fuß und mit den Öffis auf den Weg zur neuen Wohnung gemacht, während Clemens und ich noch schnell die Chance genutzt haben die Räume der alten Wohnung zu Ende zu putzen.
Hier mal ein paar Bilder unserer alten Bleibe:










Bei unserem neuen Zuhause angekommen warteten schon unsere deutschsprachige Vermieterin und ihr Mann mit der Schlüsselübergabe auf uns.

Danach ging es ans ausladen. Bis in die späten Abendstunden haben Clemens und ich dann unsere Sachen verräumt. Ich hatte anfangs etwas meine Zweifel ob auch wirklich alles in die Schränke geht, da sie dann doch alle etwas kleiner sind als in der vorherigen Wohnung, aber zum Glück hat alles gepasst. Am schwierigsten war es unsere Sachen in der Küche unterzubringen, da diese um mehr als die Hälfte geschrumpft ist. Im Hinterkopf blieb weiterhin die Präsentation die ich zwei Tage später für das andere Studio, zusammen mit der Gruppe halten musste.
Mein Semester geht nun tatsächlich nur noch zwei Wochen, bis auf den einen Workshop den ich im Januar machen werde.
Unglaublich dass das erste Semester bereits rum ist.

Ganz generell waren die letzten Wochen in der Uni reichlich anstrengend. Präsentationen hier und da. Bei der Gruppenarbeit haben wir bis in die letzte Woche hinein immer wieder alles umgeschmissen und von vorn angefangen. Unsere Präsentation ist dann in zwei Wochen. Dafür war die individuelle Arbeit gar nicht mal so schlecht. Abgabe ist hier nächste Woche. Leider am selben Tag wie unsere Ausstellung für Walking the City startet.

Nun leben wir bereits vier Wochen in Kalamaja und ich muss sagen, schon nach gut einer halben Woche hatten wir uns hier eingelebt. Die Nähe zum Wasser ist einfach großartig und wenn ich einmal früher von der Uni komme und noch ein bisschen Tageslicht da ist und gerade mal kein Schnee liegt oder Wind geht (viele Wenns und Oders), dann nutze ich die Zeit und gehe runter ans Wasser. Bisher habe ich zweimal die Chance genutzt um Meeresglas zu sammeln. Mein Plan ist es nach unserer Rückkehr damit ein Bild oder drei zu erstellen :)

Unsere Sauna haben wir bereits dreimal angeschmissen, das erste Mal nach einem längeren Spaziergang den wir für meinen dritten Kurs machen mussten "Walking the City". Nicht mal eine Woche nach unserem Umzug ist hier der Winter ausgebrochen. Der Schnee kam und blieb sofort liegen und über mehrere Tage kamen jeden Tag einige cm an Neuschnee dazu. Natürlich hatten wir nichts besseres zu tun als dann direkt den Sonntag einen längeren Spaziergang zu machen, auch wenn dieser von der Uni vorgegeben war. Wir sind durch Südtallinn gewandert und haben wieder einige interessante Orte gesehen. Von dem Spaziergang gibt es allerdings keine Fotos, da mir auch so schon die Hände abgefroren sind :D

Im Vergleich zu Deutschland werden hier die Fußwege nicht wirklich geräumt, nach nur wenigen Tagen bildete sich eine dicke Eisschicht auf den Wegen und ich bin die Altstadt zur Uni mehr hinauf geschlittert als gelaufen.

Ein paar Highlights unserer letzten vier Wochen.
Der Schnee kam, blieb sofort und schmolz dann nach rund zweieinhalb Wochen wieder. Jetzt ist er gerade wieder auf dem Vormarsch. Dieses Mal aber nicht ganz so erfolgreich.

Vor gut drei Wochen habe ich meine erste Gitarrenstunde gehabt. Elina ist in unserer Gemeinde und spielt fast wöchentlich begleitend die Gitarre zum Gesang.
An dem Montag Abend bin ich mit dem Bus Richtung Lasnamäe raus. Elina und ihr Mann wohnen nahe des Kumu (Kunstmuseum). Mit dem Handy wollte ich mich zur Wohnung navigieren und bin schön brav den Anweisungen gefolgt. Als ich dann wie angegeben links abbiegen wollte war ich etwas verdutzt - da gab es keine Straße, nur einen Hügel. Ja wie, ja was? Zum Glück kam mir gerade eine Fußgängerin entgegen, die ich kurzerhand auf Englisch angesprochen und ihr mein Handy unter die Nase gehalten habe. Sie meinte dann ganz deutlich ich solle ab über den Hügel laufen und dann bin ich schon in der richtigen Straße.
Na gut, nutzt ja nichts, ich möchte ja nicht zu spät kommen, also Berg auf durch den Schnee... Ich war ziemlich abgehetzt, durchgeschwitzt und gleichzeitig eingeforen.
Zum aufwärmen gab es einen Kaffee mit Karamelnote und dann die ersten Anweisungen für die Gitarre.
Seit dem Treffen übe ich beinahe jeden Tag und mittlerweile tut mir ziemlich mein linker Unterarm weh. Es ist unangenehm und doch kann ich nicht die Finger vom Instrument lassen. Den ersten Teil meines Gittarenlehrbuches habe ich schon fast geschafft. Es wartet noch ein Lied auf mich, aber der C Akkord lässt sich noch nicht so leicht greifen. Helene Fischers' Atemlos wird also in den nächsten Wochen geübt. Danach bin ich dann, laut Buch, kein Anfänger mehr :)

In der vorletzten Woche hat zum letzten Mal in diesem Jahr das Womens Cafe stattgefunden. An dem Tag fühlte ich mich etwas gestresst und kam mit Kopfschmerzen dort an. Mit Kaffee und Kuchen habe ich mir einen Platz gesucht und noch beim ausziehen meiner Jacke wurde mir auf die Schulter getippt. Als ich mich umdrehte stand eine Frau mit blonden Haaren vor mir und strahlte mich an. Ich brauchte tatsächlich einige Sekunden um zu begreifen wer da vor mir stand! Es war Oksana aus Vilnius! Ich hatte so gar nicht mit ihr gerechnet und ich bin vor lauter Freude in Tränen ausgebrochen.
Auf unserer Reise sind wir so vielen lieben und herzlichen Menschen begegnet und auch wenn man über Facebook mit ihnen in Kontakt bleiben kann, so rechnet man nicht damit das man sie so schnell oder überhaupt nochmal wieder sieht! Umso größer war meine Freude :)

Für den dritten Kurs "Walking the City" hatte die Gruppe einen zweitägigen Walk (Spaziergang oder wohl eher Spaziermarsch) geplant. Clemens hat mit daran teilgenommen und zum Glück hatten wir keinen weiteren Schnee. Dafür den schönsten Regen als wir losgewandert sind. Statt zwei Tage mitzulaufen, haben Clemens und ich uns nach dem ersten aus dem Staub gemacht. Irgendwie sind meine vier Jahre alten Winterschuhe super bequem, aber nicht geeignet zum wandern. Beide Knie haben mir am Abend richtige Schmerzen bereitet. Nichts desto trotz war es eine schöne Zeit mit den anderen Studenten.







Am Dienstag letzter Woche habe ich mich mit Triin, der Frau unseres Gemeindeleiters, getroffen. Sie hatte elf Jahre Deutschunterricht in der Schule und gut 30 Jahre die Sprache nicht mehr benutzt. Daher kam ihr der Gedanke die Zeit zu nutzen die Clemens und ich in Tallinn sind, um ein bisschen deutsch zu sprechen. Getroffen haben wir uns im "Maiasmokk", dem ältesten Café Tallinns. 
Wenn die Chance besteht, versuche ich im Moment unterschiedliche Cafés anzulaufen, damit ich ein bisschen mehr sehen kann.
 

Letze Woche Freitag hat uns ein weiteres Care Paket aus Deutschland erreicht. Alles was ich nicht über Amazon hatte bestellen können, hat Mama für mich organisiert und zusammen mit einen schönen Weihnachtsgruß auf den Weg gebracht. Carola und Mario haben ein weiteres Mal den Versand bewerkstelligt und an dieser Stelle von uns einen lieben Dank für die Schoki :) Und vielen Dank an Mama und Dominique für die selbstgebackenen Kekse. Ohne Weihnachtsdeko ist die Wohnung doch etwas trist, aber zumindest können wir nun weihnachtlich naschen :)
Am Abend ist Clemens zusammen mit der Studentengruppe zum Eislaufen gegangen, während ich (mehr oder weniger) fleißig am Rechner gearbeitet habe. Nachdem der Trupp mit Eislaufen durch war, haben sie mich gemeinsam aus unserer Wohnung abgeholt und wir sind zum "3 Drachen" gegangen, damit ich dann doch noch etwas erlebe auf einen Freitagabend. Das 3 Drachen ist ein sehr, sehr kleines und sehr, sehr dunkles, mittelalterliches Restaurant im Rathaus. Es wird einzig durch Kerzen erhellt und hier sind wir in den Genuss von Elchsuppe gekommen, wirklich köstlich! Zum Abschluss gab es noch einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus.

Am Samstag haben wir, zusammen mit der Studentengruppe aus der Gemeinde Thanksgiving gefeiert. Es gab reichlich zu Essen. Amerikanisches und estnisches. Ich hatte keine Ahnung, dass Blutwurst und Cornbread so gut zusammen passen ^^
Dieses Essen ließ uns ein bisschen in Erinnerungen schwelgen, waren wir doch zwei Jahre zuvor in München bei unserer amerikanischen Familie aus der Gemeinde eingeladen gewesen.

Da nun wieder die Pflicht ruft beende ich den Eintrag an dieser Stelle. 

Wir wünschen euch allen eine schöne Adventszeit und die winterlichsten Grüße aus Tallinn.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen